Bahnfahren und ich. Zwei Dinge, die im Alltag nicht so ganz zusammen passen. Ich bin der Typ, der an der Tanksäule dem Literpreis von zwei Euro zusieht und sich danach in den Stau stellt.
Vergangenen Woche stand eine Dienstreise Düsseldorf – Wiesbaden an. Wie immer in solchen Momenten war ein Firmenwagen genau an diesen Tagen negativ, mit dem eigenen Auto zu fahren hatte niemand Lust zu – nach Wiesbaden fliegen ist auch eher so negativ. Also die Bahn.
Ich muss sagen, die Hinfahrt war durchaus angenehm. In Düsseldorf in den ICE rein, die Sitze in eine nicht ganz aufrechte Position, kurz ein Blick auf die Geschwindigkeitsanzeige (285 km/h) und die Augen zu – passt. Ein paarmal gähnen, einmal schnarchen (natürlich der Kollege, nicht ich!) und schon ist man am Fernbahnhof Flughafen Frankfurt.
Ok, dort am Flughafen braucht man ein gutes GPS, um das Gleis für den Anschlusszug irgendwo in den Weiten von Glas, Stahl & Beton zu finden – soweit aber auch noch ganz ok. Der Anschlusszug war eine klapprige S-Bahn, die letzten Kilometer bis zum Ziel dauerten aber nicht lange – keine Beschwerden!
Kurz mal abschweifen – Wiesbaden, die Stadt hat mir echt gut gefallen! Abends haben wir eine kleine Sightseeing-Tour gemacht, in Kombination mit dem Wetter war es wirklich eine runde Sache. Die Stadt hat (im Vergleich zu Düsseldorf) wirklich viel Grün zu bieten – angefangen von den Baumreihen an den großen Straßen, bis zu den Parkanlagen. Die ganzen alten Villen und sonstigen Bauten runden das Programm ab.
Rückfahrt! ICE Wiesbaden – Köln. (Eine Direktverbindung Wiesbaden – Düsseldorf ist irgendwie im Plan der Bahn nicht vorgesehen?!)
Der zweite Zwischenstop, wir warten und warten und… warten. Kurze Durchsage – Fußballergebnisse. Aha. Dann im Nebensatz – wir warten noch ein wenig länger, da unser ICE von einem anderen ICE überholt werden muss. Anschlußzüge könnten vermutlich nicht warten. Ähm… wie bitte?
Und in der Tat… ewig gewartet, bis uns ein anderer ICE passiert hat. Ich mein… hätte unserer nicht einfach mal Gas geben können? Es kam wie es kommen musste – Anschlußzug in Köln war weg. Da ein Kölsch ja nicht wirklich eine Alternative ist, für einen normalen Menschen, bleibt nur Däumchendrehen für eine dreiviertel Stunde. Dann – RegionalExpress. Übel:
Dem ist wenig hinzuzufügen. Es gibt ja Menschen, die stehen auf 100%igen Hautkontakt und Schweißgeruch. Im übrigen ist festzustellen, dass die 2er Sitzreihe der Bahn nicht kompatibel ist mit Leuten, die sich mit einem gewissen Volumen neben einen quetschen.
Na ja, lassen wir das…
Als Fazit halte ich fest:
Bahnfahren in Form einer ICE-Fahrt macht wirklich Laune, man kommt entspannt am Ziel an. In dem Moment, wo man auf der Reisestrecke umsteigen muss, fängt das Problem und Drama an.
Preislich? Mit drei Personen lag der Spaß bei 293 Euro, eine vergleichbare Autofahrt würde vermutlich bei ~ 70 Euro für eine Tankfüllung liegen.
Die Bahn macht… irgendwas falsch. Immer wieder, immer noch.
Zug-Foto via flickr / Mike Knell / Creative Commons
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Kiri
sagte am 26. Juni 2010, 14:18 UhrAch ich freu mich jetzt schon auf meine Studienzeit mit Bahnfahren über 300 Kilometer. Das wird ein Spaß werden. Doch.
Kaddi
sagte am 26. Juni 2010, 15:18 UhrDas ist witzig, ich hab auch grad so ein Bahnposting geschrieben und stelle fest, dass mir doch leider einige Gedanken entwischt sind-zu Deinem Artikel. Denn wenn auch bei mir alles so weit geklappt hat, so war für einige Mitreisende die Fahrt ebenfalls kein Spass bei Aussagen wie: “Leider kann der Anschlusszug nach München nicht warten. Wir bitten um Entschuldigung” oder “Dies ist nicht der Zug nach Dresden, bitte steigen sie aus.” (oder so ähnlich).
Und ja: Regionalbahn ist echt übel-sie roch leider auch so… Solidarische Grüße Kaddi
Uwe
sagte am 26. Juni 2010, 17:58 UhrStraßenbahn und S-Bahn sind die wahren Horrorszenarien, zumindest ohne abschaltbare Nase, ohne Stöpsel im Ohr und ohne abschaltbares Schmerzzentrum wenn man mal wieder auf Papierdicke gequetscht wird weil “da doch noch Platz ist” – jeden Tag aufs Neue ein freudiger Kampf ums nackte Überleben! :)
Horst Schulte
sagte am 27. Juni 2010, 10:26 UhrToller Artikel – bis auf diesen Satz :-) Vorgestern Abend habe ich, seit langem mal wieder, ein paar Glas Kölsch getrunken. Frisch vom Fass. Hmmm.
Also Alt (man nennt das in Düsseldorf ja auch Bier) kommt für mich wiederum nicht infrage.
Marc
sagte am 28. Juni 2010, 09:44 UhrHahaha…
Hallo Horst…. der Satz ist wunderbar, der musste einfach so sein :-))
Wo kommt man denn hin, wenn man nicht die alten Feindschaften pflegt ;-)
Und… *kleingedruckt* …an manchen Tagen, in dieser Domstadt… da trinke ich auch schonmal dieses… Wasser!